Mittwoch, 5. Oktober 2011

Peter Helm fischt nicht im Trüben – Fotografien von Spiegelungen wie Gemälde

Wasser fasziniert den Fotografen Peter Helm. Egal, ob in seiner Wahlheimat am Bodensee oder in Venedig. Seit 2004/2005 widmet sich der gebürtige Sachse den Spiegelungen im Bodensee. „Das sind doch sicher keine Fotos, sondern Gemälde“, bemerken in Ausstellungen immer wieder Besucher irritiert. Tatsächlich schafft es Peter Helm, Illusionen zu erzeugen und Phantasien anzuregen. Eine Spiegelung von Pappeln gepaart mit weißen Wolken, die verwischt sind, sieht wie ein Ölgemälde aus. Das weiß der Fotograf. „Ich arbeite grundsätzlich mit einer Digitalkamera und überprüfe das Endergebnis. Ich sehe bestimmte Bilder im Wasser. Fotografie hat generell sehr viel mit Sehen zu tun“, erklärt Helm.
Der Standpunkt, von dem er ins Wasser fotografiert, ist oft sehr tief. Wie bei einem Foto, das den See mit einem verwischten Gebilde in Weiß und Braun zeigt und einer Blase, die wie ein Auge aussieht. Der Künstler klärt das staunende Publikum auf. „Beim Freibad Horn in Konstanz habe ich die Wolke gesehen, die sich im Wasser spiegelte“, lacht er. Alle Fotos sind nicht nur Illusionen. Jeder interpretiert etwas anderes hinein, doch meist sind noch Steine im Wasser zu erkennen. Sehr raffiniert kommt ein Bild daher, das wie eine männliche Skulptur aussieht. Tatsächlich aber handelt es sich um den braun-beigen Schatten eines Pollers, der sich im Wasser bricht.
Neben den teilweise psychedelisch wirkenden Fotos mit „Schraffuren“ gibt es auch Buntes in Orange und Blau, das wie ein wilder Strudel aussieht. Oder ein Foto, bei dem scheinbar dynamische kleine Fischchen oder Würmchen in Orange das Blau des Wassers durchbrechen und beleuchten. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, dass es sich um die gelben Blätter von Platanen im Herbst beim Steigenberger Inselhotel in Konstanz handelt. Peter Helm liebt den Bodensee und wählte ihn als Heimatort nach seinem Aufenthalt in Mittelamerika 2003 aus. Obwohl er als Software-Entwickler und Web-Designer selbständig ist, benutzt er kein Bildbearbeitungs-Programm wie Photoshop.
Studiert hat er an der RWTH in Aachen Informatik und Mathematik, wobei er den Kontakt zur Fotoszene suchte und auch fand. 1981 bekam er den Kodak-Fotobuchpreis für Junge Deutsche Fotografen. Er stellte in Aachen bei der Sammlung Ludwig aus, in Antwerpen, in Arles, auf der photokina, in Salzburg und Royan beim 14’eme Festival International D’Art Contemporain.
Die 44 Exponate vom Bodensee waren bis Ende September im Naturfreundehaus in Allensbach-Markelfingen zu sehen.
(c) Corinna S. Heyn

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